Autodesk-Studie „State of Design & Make“ Teil 4: Nachhaltigkeit steigert den Geschäftswert

19 März 2024allgemein, maschinenbau, mechanicalAutodesk, Design & Make

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Autodesk-Studie „State of Design & Make“ Teil 4: Nachhaltigkeit steigert den Geschäftswert

 

Teil 1: Einführung in die Studie

Teil 2: Geschäftsresilienz entsteht inmitten von Unsicherheit

Teil 3: Talentmanagement – der Wettbewerb verschärft sich

 

Praxiseinblicke

Es besteht ein breiter Konsens über die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit. Kunden und Mitarbeitende veranlassen die Unternehmen zum Handeln.

Aktiv handeln: Fach- und Führungskräfte sagen, dass Nachhaltigkeitsziele wichtig sind. Die Mehrheit sagt, dass ihr Unternehmen bzw. ihre Branche Veränderungen durchgeführt hat, um nachhaltiger zu werden.

Veränderungsdruck: Kunden, Investoren und Mitarbeitende üben Einfluss auf die Unternehmen aus, damit sie ihre Nachhaltigkeitsziele aktiv umsetzen

Guter Draht zu Talenten: Nachhaltigkeitsorientierte Maßnahmen können Unternehmen helfen, Mitarbeitende zu rekrutieren und zu binden.

Nachhaltigkeit und Umsätze: Die Befragten sehen Nachhaltigkeit als langfristigen treibenden Faktor für Geschäftswachstum. Einige gehen davon aus, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen irgendwann einen wesentlichen Anteil an den Umsätzen ausmachen werden.

Nachhaltigkeit ist wirtschaftlich sinnvoll: Die meisten Fach- und Führungskräfte meinen, dass verbesserte Nachhaltigkeitsaktivitäten gut fürs Geschäfts seien –
sowohl kurz- als auch langfristig.

Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft sind der Meinung, dass Nachhaltigkeitsziele für ein Unternehmen wichtig sind, auch wenn die Mehrheit angab, dass Nachhaltigkeit nicht zu den wichtigsten Herausforderungen ihres Unternehmens gehört. Die Mehrheit der Unternehmen und Branchen beteiligt sich bereits an nachhaltigkeitsorientierten Aktivitäten, und die Befragten gaben an, dass ihre Branchen und Unternehmen weitere Maßnahmen in der nahen Zukunft geplant haben. Damit reagieren sie zum Teil auf den Druck von Kunden, Investoren und Mitarbeitenden.

 

Nachhaltigkeitsziele sind für die meisten wichtig

Die Umfragedaten enthalten sowohl gute als auch schlechte Nachrichten für diejenigen, die sich Gedanken über Nachhaltigkeit im Bezug auf die Umwelt machen.

83 % der Befragten fanden es wichtig, dass ihr Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele erfüllt, und nur 7 % hatten den Eindruck, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen in diesem Bereich nichts unternimmt. 54 % gaben außerdem an, dass die Nachhaltigkeitsinitiativen ihres Unternehmens wesentlicher Bestandteil ihres Plans für Geschäftswachstum seien. 52 % wünschten, ihre Unternehmen legten auf Nachhaltigkeit ebenso viel Wert wie auf die Gewinne. 52 % bekundeten zudem, sie seien stolz auf die Nachhaltigkeitsinitiativen ihres Unternehmens. In einem Interview verglich ein Branchenexperte den Status der Nachhaltigkeit in der
Wirtschaft vor zehn Jahren mit der Art und Weise, wie dieses Thema heute gesehen wird: „Dies ist nicht mehr bloß ein Plus“, so Leonard DiChiara, Senior Director of Design bei HCP Packaging, einem Entwickler und Hersteller von Kosmetikverpackungsbehältern, „sondern ein Muss.“

Dennoch stuften nur 20 % der Befragten Nachhaltigkeit als eine der größten Herausforderungen für ihr Unternehmen ein. Dies ist bemerkenswert, da der Anteil derer, die Nachhaltigkeit als eine der wichtigsten Herausforderungen nannten, fast dreimal so hoch war wie der Anteil derer, die angaben, dass ihr Unternehmen Nachhaltigkeitsaktivitäten durchführe.

In den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, gaben 19 % der Befragten an, dass ihre Unternehmen und Branchen überhaupt keine nachhaltigkeitsbezogenen Aktivitäten durchführen – ein weitaus höherer Anteil als in jedem anderen Land. Außerdem gaben nur 70 % der amerikanischen Befragten an, dass es für ihr Unternehmen wichtig sei, seine Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Auch dieser Anteil ist geringer als in der übrigen Welt.

 

FACH- UND FÜHRUNGSKRÄFTE ÄUSSERN SICH: Was sind einige der wichtigsten treibenden Faktoren für Nachhaltigkeit in Ihrer Branche

 

„Wenn Sie das Richtige tun, machen Sie nie etwas falsch. Für AAF ist es das Richtige, ein Produkt anzubieten, das länger hält, weniger Energie verbraucht und aufgrund seiner Eigenschaften die Luftqualität verbessert und letztendlich positive Auswirkungen für die menschliche Gesundheit hat. Wir müssen uns auch darauf konzentrieren, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (gemessen an den Gesamtbetriebskosten) zu bieten. Den Kunden zu informieren, ist unsere tägliche Aufgabe. Das altbekannte Sprichwort ‚Wer billig kauft, kauft zweimal‘ gilt für die Luftfilterbranche ebenso wie für viele andere.“ – Sean O’Reilly, Global VP HP Sales & Innovation bei AAF Flanders Inc., einem Hersteller und Anbieter von Luftfilterprodukten

Sie brauchen einen Anwendungsfall, der skalierbar ist, bei dem Menschen Ressourcen und Daten für wiederholbare Aktivitäten nutzen können. Wir ermutigen unsere Partner in Hochschulen und kleinen Unternehmen zum Datenaustausch. Dadurch können wir voneinander lernen und Möglichkeiten für den Druck mit nachhaltigeren und recycelten Materialien erkunden. Abfälle nicht als Müll, sondern als Ressource zu betrachten, wird für viele Gruppen ebenfalls ein Schwerpunkt sein. Und ich denke, wir werden in den nächsten ein bis zehn Jahren echte Vorteile sehen, sodass sich auch andere Unternehmen für dieses Thema interessieren werden.“ – Samantha Snabes, Mitbegründerin und Catalyst bei re:3d Inc., einem Unternehmen für 3D-Drucker und Dienstleistungen

Wir beginnen, Nachhaltigkeit im Sinne von Chancengleichheit zu messen. Bei allem, was Sie bauen, müssen Sie sich Gedanken über die Auswirkungen auf die Community machen. Sind die geplanten Maßnahmen gut für Ihr Unternehmen, gut für die Community und letztendlich gut für die Welt?“ – Paul Makovsky, Chefredakteur, ARCHITECT  Magazine

 

Unternehmen wollen Abfälle reduzieren, die Energieeffizienz erhöhen und die Produktentwicklung verbessern

Die meisten Befragten gaben an, dass ihre Branche oder ihr Unternehmen Veränderungen durchgeführt hat, um die Nachhaltigkeit zu verbessern. Diese Anstrengungen verteilen sich jedoch auf eine breite Vielfalt von Aktivitäten. Keine einzelne Nachhaltigkeitsinitiative wurde von einer Mehrheit der Befragten genannt.

Als wichtigste Veränderungen für Nachhaltigkeit, die Unternehmen und Branchen bereits durchgeführt haben, nannten 35 % der Befragten die Reduzierung der Abfälle aus der Produktion oder die Verwendung von mehr recycelten Materialien. 30 % sagten, dass die Unternehmen und Branchen Produkte unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit entwickelten, und 30 % nannten die Anwendung nachhaltiger Prinzipien in der Entwicklung.

Bei der Frage, welche Maßnahmen die Unternehmen und Branchen der Befragten voraussichtlich in den nächsten drei Jahren durchführen werden, ergaben sich bedeutende Überschneidungen. Hier stand die Anwendung nachhaltiger Entwicklungsprinzipien an erster Stelle (34 % der Befragten). 32 % gaben an, dass sie davon ausgehen, dass ihr Unternehmen bzw. ihre Branche Abfälle aus der Produktion reduzieren oder mehr recycelte Materialien verwenden wird. 31 % erwarteten, dass ihr Unternehmen bzw. ihre Branche energieeffizientere Prozesse oder Maschinen entwickeln bzw. in diese investieren wird. Insgesamt meinten 94 % der Befragten, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen in den nächsten Jahren voraussichtlich auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Veränderungen vornehmen werde.

In den Interviews erwähnten verschiedene Fach- und Führungskräfte, dass ihr Unternehmen stärker auf die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien achte. Mehrere Befragte nannten die Fähigkeit zur Verbesserung der Nachhaltigkeit durch Senkung des Anteils an gebundenem Kohlenstoff in Projekten. Jeremy Smith, Chief Technology Officer der VFX-Firma Jellyfish Pictures, nannte die Zusammenarbeit mit Technologieanbietern, um den Energieverbrauch von Computerhardware zu senken. „Wir achten darauf, dass unsere Arbeitsabläufe maximal optimiert werden, um keine Rechenzyklen zu verschwenden“, so Smith. „Das ist eine der einfachsten Maßnahmen für mehr Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit in unserem Bereich.“

Einige Interviewte nannten den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Einer nannte die Fähigkeit von Softwaretools, die Auswirkungen von Entwurfsänderungsvorschlägen auf die Nachhaltigkeit sofort anzuzeigen. Ein anderer verwies auf das Potenzial für freie, offene Daten, um Kostenbarrieren zu senken, die derzeit einige Unternehmen daran hindern, die CO2 -Emissionen von Projekten und Produkten zu messen und bei der Planung zu berücksichtigen.

Eine Analyse der Anwendung von generativem Design in anonymisierten Daten aus AutodeskKundenprojekten zeigt, dass die Kunden generatives Design anwenden, um Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, beispielsweise bei der Abfallreduzierung. Außerdem arbeiten einige Unternehmen mit generativem Design, um das Gewicht von Materialien zu senken, etwa im Flugzeug- oder Fahrzeugbau.

 

 

Die Umfragedaten zeigten mehrere Unterschiede bei den Nachhaltigkeitsmaßnahmen je nach Unternehmensgröße und Land. Am einheitlichsten waren die Berichte der Befragten aus großen Unternehmen, die häufiger als Befragte aus kleinen und mittelständischen Unternehmen berichteten, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Veränderungen vorgenommen hat. Dies lässt sich durch die Kapazitäten erklären, denn kleinen Unternehmen fehlt es in der Regel an den notwendigen Ressourcen, um ein spezielles Nachhaltigkeitsteam zu unterhalten, damit es ehrgeizige Initiativen umsetzt und sie im Zeitverlauf verfolgt. 19 % der Befragten aus den USA – ein doppelt so hoher Anteil wie aus allen anderen Ländern – gaben an, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen keine Nachhaltigkeitsinitiativen durchgeführt
habe. Japan belegte mit 9 % den zweiten Platz. Unter den chinesischen Befragten gab nur 1 % an, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen nichts zur Verbesserung der Nachhaltigkeit getan hat. Die USA rangierten jedoch bei mehreren spezifischen Nachhaltigkeitsinitiativen im Mittelfeld.

Bei den europäischen Befragten war der Anteil derjenigen, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Aktivitäten durchführen, generell am höchsten. 37 % der deutschen Befragten gaben an, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen bei der Entwicklung von Produkten die Umweltauswirkungen berücksichtigt hat, 42 % berichteten, dass sie die Nutzung erneuerbarer Energien erhöht haben, 36 % gaben an, energieeffizientere Prozesse oder Maschinen entwickelt oder in diese investiert zu haben, und 30 % sagten aus, dass sie Kunden geholfen haben, ihre CO2 -Emissionen zu senken. Frankreich war mit 47 % führend beim Anteil der Befragten, deren Branche bzw. Unternehmen die Abfälle aus der Produktion verringert oder die Verwendung recycelter Materialien erhöht hat. 23 % sagten dort aus, dass ihre Branche bzw. ihr Unternehmen Klimaschutzprojekte mitfinanziert hat.

 

FACH- UND FÜHRUNGSKRÄFTE ÄUSSERN SICH: Wie sieht die Ökonomie der Nachhaltigkeit für Ihre Branche aus?

Wenn wir die Energieeffizienz verbessern können, zahlt sich das für uns unmittelbar aus. Unser Rechenzentrum verbraucht viel Energie, und wenn es uns gelingt, unsere Energieeffizienz nur um 1 % zu verbessern, sparen wir eine Menge Energie. Das ist gut für unsere Kunden und auch für unseren Planeten.“ – Kunyueh Lin, General Manager der Geschäftssparte Building Automation Solutions bei Delta Electronics, einem globalen Anbieter von Energie- und Wärmemanagementlösungen

„Auf lange Sicht wird der Anteil erneuerbarer Energien den der fossilen Brennstoffe übersteigen. Allerdings macht es mir Sorgen, dass der Übergang zu den neuen Energien schneller vollzogen werden soll. Es ist einfacher, Energie aus fossilen Brennstoffen zu nutzen, und die Kosten für grüne Energie sind nach wie vor hoch. Wir brauchen mehr technischen Fortschritt, um grüne Energie erschwinglicher zu machen.“ – GuoJin Zhu, Chief Engineer, Kunming Engineering Corporation Limited, Power China Group, ein
Planungsinstitut für Wasserkraftprojekte

„Der Druck, sich zu verändern und nachhaltig zu wachsen, kommt von allen Seiten: von Aktionären, Mitarbeitenden, Kunden und Behörden. Strengere Rahmenbedingungen fördern die Innovationskraft. Für uns ist das gut, aber wir müssen Maßnahmen zur Nachhaltigkeit ergreifen, ohne uns von den Bedürfnissen der Gesellschaft in Bezug auf Gebäude und Infrastrukturen abzukoppeln.“ – Frédéric Gal, Leiter des Projekts Unternehmensmodernisierung, Bouygues Construction

 

Die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit gut für den Geschäftswert ist, motiviert zum Handeln

Die Einstellung der Befragten zur Nachhaltigkeit war ein deutlicher Indikator dafür, mit welcher Wahrscheinlichkeit ihre Unternehmen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Aktivitäten durchführen. Beispielsweise wurden die Befragten gebeten, zu schätzen, wie viel vom Geschäftswert (in % des Jahresumsatzes) langfristig durch  Nachhaltigkeitsmaßnahmen für ihr Unternehmen generiert werden könnte. Bei den 18 % der Befragten, die angaben, dass Nachhaltigkeitsinitiativen wahrscheinlich mehr als 10 % des Jahresumsatzes ihres Unternehmens ausmachen würden, sagten die Befragten mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit aus, dass ihr Unternehmen bereits Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf den Weg gebracht hat.

Diese Differenz war am stärksten ausgeprägt bei den Fragen, ob sie ihren Kunden geholfen haben, CO2 -Emissionen zu senken (39 %, im Vergleich zu 21 % der übrigen Befragten), ob sie bei der Entwicklung von Produkten die Umweltauswirkungen berücksichtigen (44 % ggü. 27 %) und ob sie sich Ziele für Klimaneutralität gesetzt haben (36 %
ggü. 22 %).

Eine Mehrheit der Befragten sieht Nachhaltigkeit als positiv für das Geschäft. 55 % meinen, dass die Verbesserung der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Maßnahmen eine gute kurzfristige Geschäftsentscheidung ist, und 80 % halten Nachhaltigkeit auch langfristig für eine gute Geschäftsentscheidung. 84 % der Befragten aus großen Unternehmen sahen Verbesserungen der Nachhaltigkeit als eine gute langfristige Geschäftsentscheidung an, verglichen mit 77 % der Befragten aus kleineren Unternehmen.

 

Unternehmen mit höherem digitalem Reifegrad scheinen eher dazu zu neigen, ihren Nachhaltigkeitsherausforderungen mit Technologielösungen zu begegnen. 33 % der Befragten in diesen Unternehmen gaben an, dass ihr Unternehmen Lösungen auf der Basis von künstlicher Intelligenz einsetzt, um nachhaltiger zu werden, verglichen mit 21 % der Unternehmen mit geringerem digitalem Reifegrad. Ferner gaben die Befragten aus Unternehmen, die sehr effektiv Daten nutzen, am häufigsten an, dass sie stolz auf die Nachhaltigkeitsinitiativen ihres Unternehmens seien (60 % im Vergleich zu 44 % der übrigen Unternehmen) und dass ihr Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit „wegweisend“ für ihre Branche sei (52 % ggü. 35 %).

 

 

Eine der größten Herausforderungen für nachhaltige Materialien besteht darin, diese wirtschaftlich zu machen. Es gibt Beispiele aus der Luftfahrt: Nachhaltige Produkte wurden zu früh herausgebracht und konnten sich nicht auf dem Markt durchsetzen bzw. ihren Wettbewerbsvorsprung nicht behaupten. Die Flugzeugkabine ist derzeit für etwa 5 % bis 10 % der CO2 – Emissionen eines Flugzeugs verantwortlich. Doch die aktuellen Entwicklungen in Forschung und Technologie und die neuesten Innovationen für Flugzeugkabinen, an denen wir derzeit arbeiten, werden zu einer Senkung dieser Zahlen beitragen, zum Beispiel durch Gewichtsreduzierung oder die Kreislaufwirtschaft der Materialien.“ – Stefan List, Head of Cabin Market Insights bei Airbus, einem Unternehmen, das Flugzeuge, Hubschrauber und Raumschiffe entwickelt, herstellt und verkauft.

 

 

Kostenstelle oder Kosteneinsparung?

Je nach Kontext, Zielgruppe und vortragender Person wird Nachhaltigkeit entweder als finanzielle Belastung oder aber als Bereicherung für die Unternehmen gesehen. Dies spiegelt sich auch in den Umfragedaten wider: Hier halten mehr Befragte Nachhaltigkeit eher langfristig als kurzfristig für eine gute Geschäftsentscheidung.

Auf der Jahreskonferenz von Autodesk (Autodesk University) im Oktober 2022 traf sich eine Gruppe von Fachund Führungskräften aus der Branche, um über die Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung zu diskutieren. Ein Großteil der Diskussion konzentrierte sich dabei auf die Kostenfrage. Einige Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

Kurzfristiges Denken begrenzt das Handeln. Die Aussicht auf erhöhte kurzfristige Kosten spielt eine Rolle bei der mangelnden Nachfrage der Kunden nach Veränderungen.
Oftmals messen Unternehmen nachhaltige Ansätze an den geringstmöglichen Basiskosten, anstatt die Gesamtrentabilität dieser Investitionen zu berechnen.

Chancen liegen in der Finanzierung. Die Diskussionsteilnehmenden sagten, dass es den Kunden gegenwärtig am Willen mangele, Nachhaltigkeit in ihren Projekten energisch
voranzubringen. Doch niedrigere Zinssätze für CO2 -neutrales Bauen könnten ein Anreiz sein, um dem Wandel auf die Sprünge zu helfen, so die Branchenexperten.

Nachhaltigkeit stärkt Marken. Die Teilnehmenden nannten die potenziellen Vorteile, die sich aus auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Maßnahmen ergeben könnten, wie zum Beispiel ein besseres Image. Dies käme letztendlich auch den Umsätzen und Gewinnen zugute. Wenn Unternehmen nachhaltige Produkte und Projekte voranbringen, können sie dadurch für zukünftige Kunden attraktiver werden. Das gilt insbesondere für jüngere Menschen, die bereit sind, mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen.

Unternehmen verpassen Chancen für Kostensenkungen. Obwohl es bereits Möglichkeiten gibt, durch Dekarbonisierung eine positive Rendite zu erzielen, werden diese Chancen nicht maximal genutzt. Die Politik ist ein Grund: Länder, in denen Öl gefördert wird, stehen der Dekarbonisierung weitgehend ablehnend gegenüber, zumal Eigeninteressen häufig über das Gemeinwohl gestellt werden.

Erschwinglichkeit fördert die Akzeptanz. Umweltschützende verweisen auf die langfristigen Einsparungen durch nachhaltige Produkte und Projekte, doch die Anschaffungskosten hierfür sind häufig immer noch höher. Solange Führungskräfte aus der Wirtschaft der Nachhaltigkeit nicht den Vorrang geben, kann es für Konstruktions- und Planungsteams schwierig sein, das Budget für die häufig höheren Kosten umweltfreundlicher Materialien genehmigt zu bekommen.

 

Kunden, Investoren und Mitarbeitende verlangen Nachhaltigkeit

Eine Mehrheit der Befragten berichtete, dass ihr Unternehmen Druck von internen Stakeholdern und externen Kräften bekommt, um sich Nachhaltigkeitsziele zu setzen und diese zu erfüllen. Bemerkenswerterweise gaben 82 % der Befragten an, ihr Unternehmen werde von den Kunden dazu getrieben, Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen und zu erfüllen. 74 % sagten, dass ihre Unternehmen diesen Druck von den Investoren erhalten.

In Gesprächen über unternehmerische Nachhaltigkeit hört man häufig die Frage von Beobachtenden, ob das Thema den Kunden wirklich wichtig sei. Die Antwort auf diese Frage ist aufgrund der Umfragedaten wohl ein deutliches Ja. Wer Diskussionen über Nachhaltigkeit folgt, hat zweifellos auch die Aussagen einiger Diskussionsteilnehmenden gehört, dass die Unternehmen in diesem Bereich erst wirklich zum Handeln zu bewegen sind, wenn unter dem Strich für sie etwas dabei herauskommt. Wenn Investoren anfangen, ihre Investitionen von Unternehmen abzuziehen, die sich weigern, nachhaltigkeitsorientierte Maßnahmen durchzuführen, wäre das für Unternehmen, die in diesem Bereich hinterherhinken, eine echte Bedrohung.

Marktbeobachter berichteten, dass die nachhaltigen Investitionen bis Ende 2021 über ein Drittel der weltweiten Kapitalanlagen ausmachten* – wobei die Investoren doppelt so viel Geld in nachhaltige Investments pumpten wie im Jahr zuvor.** Wenn dieser Trend weiter anhält, könnte er die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Anstrengungen in den Unternehmen beschleunigen, die auf externe Investoren angewiesen sind.

72 % der Befragten gaben an, dass die Mitarbeitenden Druck auf die Unternehmen ausüben, Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Fachkräfte sagten häufiger als Führungskräfte aus, dass Nachhaltigkeit eine wichtige Herausforderung ist, und Unternehmen, die sich zu Nachhaltigkeit verpflichtet haben, nennen am seltensten die Gewinnung und Bindung von Talenten als eine ihrer wichtigsten Herausforderungen. Dieser Zusammenhang spiegelt das wider, was mehrere Führungskräfte aus der Wirtschaft in den Interviews für diesen Bericht aussagten: dass viele Arbeitnehmende von Arbeitgebenden verlangen, Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda zu setzen.

*https://www.reuters.com/business/sustainable-business/sustainable-investments-account-more-than-third-global-assets-2021-07-18/

**https://www.fastcompany.com/90706552/esg-investing-continued-to-soar-in-2021-the-government-could-boost-it-even-more

 

„Wenn es darum geht, Fortschritte bei der Dekarbonisierung zu machen, dreht sich eine wichtige Frage um die Kosten. Wir haben Kunden, die ein großes Interesse daran haben, ihre CO2 – Emissionen zu senken und die Kosten der Emissionen genau zu bewerten. Aber wir haben auch Kunden, die noch nicht so weit sind. Letzten Endes werden bedeutende CO2-Senkungen vermutlich erst umgesetzt, wenn sie auch kosteneffektiv sind.“ – Dalton Ho, Regional Sustainable Design Leader, Fachkraft bei Perkins&Will, einem interdisziplinären, forschungsbasierten Architektur- und Designbüro

 

In den Interviews erwähnten einige Fach- und Führungskräfte, dass ein Ruf als umweltfreundliches Unternehmen bei der Gewinnung von Talenten hilfreich sein kann. Das gilt insbesondere für jüngere Arbeitnehmende. „Berufseinsteigenden, Mittdreißigern und auch Menschen höheren Alters ist dieses Thema wirklich wichtig“, berichtet Stacy Smedley, Executive Director bei Building Transparency, einer gemeinnützigen Organisation, die sich mit Embodied Carbon im Bauwesen befasst. „Wenn Sie das Thema in Ihrem Unternehmen nicht angehen, gehen Ihnen möglicherweise Spitzentalente aus der Branche verloren.

Die Daten zeigten einige bemerkenswerte Unterschiede bei den Ursprüngen des Drucks zu mehr Nachhaltigkeit nach Regionen, Branchen und Unternehmensgröße. Unternehmen in Amerika erhalten aus jeder Gruppe weniger Druck als Unternehmen in den übrigen Regionen. Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen Befragten aus US-amerikanischen Unternehmen, die sich von den Investoren unter Druck gesetzt fühlten, Nachhaltigkeit voranzubringen (61 %), und denjenigen aus China (91 %). Ähnlich groß war die Kluft zwischen denjenigen, die meinten, dass der Druck von den Behörden ausgehe: In den USA waren 59 % der Befragten dieser Meinung, in China hingegen waren es 88 %. Die Antworten aus Europa entsprachen insgesamt weitgehend denen aus der APAC-Region.

 

 

Weiter zu Teil 5: Zusammenfassung & Fazit

 

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