ISO 19650 Revision 2026: Warum der Wechsel von BIM zu IM alles verändert
14 Mai 2026BIM, Ideate Software, Revit

Die ISO-19650-Reihe bildet seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 2018 das Fundament des Informationsmanagements in der Bau- und Infrastrukturbranche. Mit der Veröffentlichung des Draft International Standard (DIS) der ISO 19650:2026 am 10. März 2026 steht die AEC-Branche nun vor der bedeutendsten Transformation im Informationsmanagement seit Einführung der Norm.
Erstmals verlagert die ISO 19650 den Fokus von einer modellzentrierten hin zu einer informationszentrierten Perspektive. Dabei handelt es sich um weit mehr als nur ein Update: Die Revision markiert eine strategische Neuausrichtung der Branche weg von BIM als reinem Modellierungsprozess hin zu Information Management (IM) als ganzheitlicher Lifecycle-Disziplin. Dadurch verändern sich Strukturierung, Validierung, Austausch und Pflege von Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Assets hinweg grundlegend.
GRAITEC, unterstützt seine Kunden als Autodesk Platinum Partner und Entwickler der Ideate Software Suite aktiv bei dieser Transformation
Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Änderungen:
1. Der einheitliche 9-Stufen-Prozess
In bisherigen Standards wurde die Effizienz häufig durch die Trennung zwischen Projektabwicklung und Asset-Betrieb eingeschränkt. Die ISO 19650 Revision 2026 führt deshalb einen einheitlichen 9-Stufen-Prozess für das Informationsmanagement ein, der für sämtliche Phasen des Asset-Lebenszyklus gilt.
Dieser Workflow beseitigt den klassischen „Data Drop“ und schafft einen durchgängigen Prozess für:
- Bewertung & Bedarfsermittlung
- Ausschreibungen
- Angebotsabgabe
- Beauftragung
- Mobilisierung
- Kollaborative Erstellung
- Übergabe des Informationsmodells
- Informationsfreigabe
- Aggregation & Prüfung
2. Fokus auf den gesamten Lebenszyklus („Golden Thread“)
Eine der strukturell bedeutendsten Änderungen ist die Abschaffung der formalen Trennung zwischen der „Projektphase“ (derzeit ISO 19650-2) und der „Betriebsphase“ (derzeit ISO 19650-3). Stattdessen sieht die Revision einen einzigen, kontinuierlichen Informationsmanagementprozess über den gesamten Lebenszyklus eines Assets vor.
Der Fokus verschiebt sich dabei vom Project Information Model (PIM) als temporärem Projektergebnis hin zum Asset Information Model (AIM) als dauerhaftem und langfristigem Informationsbestand.
Dieser sogenannte „Golden Thread“ stellt sicher, dass die während der Planung erzeugten Daten dauerhaft verfügbar, validiert und für die nächsten Jahrzehnte des Betriebs nutzbar bleiben. Für Unternehmen in der EMEA-Region bedeutet dies: Die Übergabe eines Projekts ist nicht länger die Ziellinie, sondern vielmehr die Weitergabe des Staffelstabs innerhalb eines langfristigen Prozesses.
3. Bereinigung der Terminoligie: Von „BIM“ zu „IM“
Die sichtbarste und zugleich symbolträchtigste Änderung der ISO 19650 Revision 2026 ist die sprachliche Verschiebung von “BIM” (Building Information Modelling) hin zu „IM“ (Information Management)
Diese Änderung ist keineswegs rein kosmetischer Natur. Über Jahre hinweg wurde die ISO 19650 häufig fälschlicherweise als Standard für 3D-Modelle und Softwaretools verstanden. Tatsächlich geht es jedoch um das Management von Informationen unabhängig von Format, Medium oder Technologie. Die Einführung der IM-Terminologie korrigiert dieses Missverständnis und öffnet den Standard für eine deutlich breitere Zielgruppe, darunter Asset Owner, Facility Manager und operative Teams, die möglicherweise niemals mit Modellierungssoftware arbeiten.
Darüber hinaus sollen mehrere etablierte Begriffe ersetzt werden. Zu den wichtigsten vorgeschlagenen Änderungen gehören:
Bisheriger Begriff > Neuer Begriff
- BIM Execution Plan (BEP) –> Information Production Plan (IPP)
- Exchange Information Requirement (EIR) –> Information Production Requirement (IPR)
- Task Information Delivery Plan (TIDP) –> Information Production Schedule (IPS)
- Delivery Team Information –> Production Team
Potenzielle Vorteile der ISO 19650 Revision 2026
Höhere Inklusivität: Durch die Umstellung der Sprache von BIM auf IM wird der Standard deutlich zugänglicher für Asset-Eigentümer, Betreiber und nicht-technische Stakeholder.
Durchgängigkeit über den gesamten Lebenszyklus: Der ganzheitliche Lifecycle-Ansatz reduziert Informationsverluste bei der Projektübergabe erheblich.
Weniger Redundanzen: Die Zusammenführung der Teile 2 und 3 in einen einzigen Prozess eliminiert den Aufwand paralleler Frameworks.
Internationale Konsistenz: Vereinfachte Terminologie und eine klarere Struktur verbessern die Übersetzbarkeit und unterstützen eine einheitlichere Einführung in unterschiedlichen Ländern und regulatorischen Umfeldern.
Bessere Integration in das bestehende Normen-Ökosystem: Die stärkere Abstimmung mit ISO 7817 (Level of Information Need), ISO 29481 (Information Delivery Manual) und weiteren angrenzenden Standards schafft eine konsistentere und interoperablere Standardlandschaft.
Ist Ihr Unternehmen bereit?
Die ISO 19650 Revision 2026 zeigt deutlich, dass Informationen im modernen Bauwesen mittlerweile genauso essenziell sind wie Stahl oder Beton. Unternehmen, die den neuen einheitlichen 9-Stufen-Prozess frühzeitig implementieren, erfüllen nicht nur regulatorische Anforderungen – sie sichern sich zugleich entscheidende Wettbewerbsvorteile.
GRAITEC gestaltet als globaler Softwareentwickler und Autodesk Platinum Partner aktiv die Zukunft des digitalen Bauens mit und unterstützt Unternehmen dabei, ein nahtloses BIM-Informationsmanagement über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg zu etablieren.
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